©Bild: Franzi.

Eigentlich schreibe ich hier ja nur über Dinge, die mich inspirieren und glücklich machen. Nun ja, Egoland von Michael Nast hat mich vielleicht nicht glücklich gemacht, aber inspirierend war es dann irgendwie doch: Beim Prolog des Buches hat es mir den Atem verschlagen. So eine Wahnsinns-Grundidee verpackt in einen tollen Stil habe ich den Episoden-Schreiber Michael Nast nicht zugetraut. Eine Seite weiter war die Enttäuschung dann groß: Herr Nast kehrte zu seinem alten Ich zurück und schrieb vor allem … über sich selbst. Und über Berlin als eine Stadt voller Narzissten. Kurz gefasst: Super Idee, die Umsetzung ist leider ein Flop.

Idee des Buchs:

Ein junger Autor stirbt. Die Aufzeichnungen zu seinem nächsten Roman fallen einem befreundeten Autor in die Hände. Aus den Notizen und Mitschnitten des Verstorbenen entsteht „Egoland“, eine Geschichte voller Intrigen, inspiriert von realen Ereignissen im Leben des Toten.

Schauplatz der Geschichte ist Berlin, ihre Protagonisten sind Archetypen der „Generation Beziehungsunfähig“: Sie sind Narzissten und Egomanen, leben aneinander vorbei, rauchen, trinken und haben Sex. Wichtig ist ihnen nicht, wer sie sind, sondern wie sie von außen wahrgenommen werden. Diese digital-verseuchten Großstädter hängen an ihren Smartphones, als ginge es um ihr Leben. Ihre „Alles gut“-Mentalität kann langfristig jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass eigentlich gar nichts gut ist.

Anspruch des Buchs:

Michael Nast wird als Stimme der „Generation Beziehungsunfähig“ gefeiert. Hier versucht er sich das erste Mal an einem Roman, der einen Einblick in die Lebenswelt der Mittzwanziger bis Enddreißiger gibt: Ständig auf der Suche nach Bestätigung, ob im Job, der Liebe oder auf ihren Instagram-Accounts, verkörpern sie eine Generation unempathischer Egomanen.

Was ist toll an dem Buch?

Die Grundidee einer Geschichte in einer Geschichte ist wunderbar, verspricht Großes und macht Lust auf mehr. Der Prolog ist geheimnisvoll und so authentisch geschrieben, das man gar nicht anders kann, als nach dem Namen „Andreas Landwehr, Schriftsteller“ zu googeln.

Warum es sich trotzdem nicht lohnt, dieses Buch zu lesen:

Ab dem ersten Kapitel verschwindet leider jede Spannung: Der Plot wird langatmig und vorhersehbar.

Die Charaktere bleiben flach, austauschbar und voller Stereotypen. Es tauchen zu viele Namen auf, zu viele zu ähnliche Personen – man verliert leicht den Überblick.

Leider ist das Buch auch nicht gut lektoriert: Die 1. Auflage weist enorm viele Grammatik- und Rechtschreibfehler auf, die in ihrer Häufung nerven.

Schreibstil: Der bemüht-intellektuelle Anspruch von Herrn Nast endet häufig in Schlangensätzen oder Halbsätzen, die noch einmal erklären, was man zuvor bereits gelesen hat. Für Kolumnen mag das funktionieren. Ein Roman verzeiht diese Langatmigkeit und das Unvermögen, sich auf den Punkt genau ausdrücken zu können, leider nicht.

Es gibt wenig Raum für die Fantasie des Lesers: Obwohl die Protagonisten nur wenig Tiefe besitzen, gibt der Autor jeden ihrer Gedanken vor. Dem Leser wird damit nicht zugetraut, eigene Schlüsse aus dem Verhalten der Protagonisten zu ziehen. Damit schwillt das Buch auf über 400 Seiten an – für eine Geschichte, die auch gut (und vielleicht sogar besser) auf 200 Seiten gepasst hätte.

Habt einen inspirierenden Start in die neue Woche, die nicht nur fulminant beginnen, sondern auch genauso enden soll :)!

P.S. Diese Kritik ist bereits hier erschienen – ich bin schneller als Stephan durch das Buch gekommen und hatte mehr dazu zu sagen, weshalb ich ihm ausnahmsweise die Kritik für Vorablesen verfasst habe. Euch wollte ich sie aber auch nicht vorenthalten ;).